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Von Anfang an lernte Sherbo seine Benimmregeln. Es war für ihn tabu mir in die Küche zu folgen. Ich weiss nicht mehr genau wie oft ich ihn an der Schwelle der Küche aufgehoben und zurück vor die Theke gesetzt habe, bis er es begriffen hatte, dass er hier warten musste. Als er von sich aus, sich das erste Mal an genau diesen Platz setzte, bekam er ein Leckerli und seine Streicheleinheiten mit einem grossen Lob. Von da an versuchte er nie mehr, mir in die Küche zu folgen. Es gab viele Regeln die ich als Wirtin beachten musste und darum war ich sehr darauf bedacht, Sherbo zu lehren was er durfte und was nicht. Sherbo lernte schnell, er war ein kluger Hund. Eigentlich war Sherbo vom ersten Tag an stubenrein. Doch wie heisst es so schön: „Keine Regel ohne Ausnahme.“ Ich war dabei, die Lichter im Restaurant zu löschen. Ein langer Arbeitstag war zu Ende. Die Terrassentür, durch welche ich jeden Abend das Restaurant verliess hatte ich geöffnet. Sherbo wusste, er musste beim Cheminee (Kamin) warten. Ich hatte gerade das letzte Licht gelöscht, da hörte ich ein verdächtiges Plätschern. Schnell schaltete ich das Licht wieder an und was sah ich? Sherbo in hockender Stellung und nass unter seinen Pfoten. Er war noch nicht aufgerichtet, da war ich schon bei ihm. Packte ihn am Genick und drückte seine Nase in die Nässe, hob ihn kurz an und beförderte ihn nicht gerade sanft durch die offene Tür auf die Terrasse. Er landete auf seinen vier Pfoten. Natürlich war ich böse und schimpfte mit ihm. So hatte er mich noch nie erlebt. Ich holte eine Rolle Haushaltspapier und wischte den Boden auf. Sherbo stand noch immer dort wo er gelandet war und schaute mir zu, wie ich seine Untat tilgte. Nachdem alle Spuren beseitigt waren löschte ich endgültig die Lichter hob Sherbo von der Terrasse auf und sperrte die Türe ab. Die Strassenlaterne beleuchtete die Stufen der Terrasse und die wenigen Schritte zu meinem Auto. Sherbo kuschelte sich in meinen Arm. Er merkte schon wie ich ihn zu mir hochnahm, dass ich ihm nun wieder gut war. Bevor ich ihn auf seinen Platz am Rücksitz setzte, drückte ich ihn noch kurz an mich und streichelte über sein Köpfchen. „Du bist ja noch so klein.“ Meine Stimme war nun wieder sanft als ich zu ihm sagt: „Wir sind Freunde, aber das machst du nicht noch einmal.“ Es war ihm eine Lehre, er tat es nie wieder.


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Ich habe hier das Bild eines lieben Freundes ausgewählt, welches mir geholfen hat, aus dem dunklen Schutz des Waldes, den Weg heraus zu finden. Denn, gibt es einen Weg hinein, so führt er auch wieder zurück.

Tage, Wochen, nein, Monate sind vergangen, seit meine liebe Schwester von uns gegangen ist. Meine Gedanken im Nebel, mein Herz erfüllt mit Trauer. Voller Tatendrang ging ich ins neue Jahr. Angefangenes wollte ich beenden und Neues wollte ich beginnen. Doch ich schaffte nur den Anfang. Nun heilen die Wunden meiner Seele, zwar langsam, aber stetig und der Wunsch wieder zu schreiben drängt immer mehr in den Vordergrund. Zwar gehen meine Gedanken noch eigene Wege. Folgen nicht meinem Willen, der sie auf die Pfade meiner Erzählungen lenken möchte. Doch denke ich, mein Wunsch zu schreiben wird die Trauer besiegen und meine Seele wieder freigeben. So wie ich die Seele meiner Schwester ziehen liess als es ihr Wunsch war, frei von allen Lasten fort zu fliegen.

Ich war etwas mehr als neun Jahre alt, als meine Schwester geboren wurde. Sie kam in meinem Bett auf die Welt. Mein Bruder und ich schliefen im Zimmer unserer Eltern, da es zu kalt und darum ungeeignet für eine Geburt gewesen wäre. Zur damaligen Zeit gab es noch keine Zentralheizung und die Winter waren kalt. An den Fensterscheiben bildeten sich Eisblumen und Schneeflocken fielen auf die gefrorene Erde. Mein Bruder und ich wussten, in dieser Nacht sollte unser Geschwisterchen ankommen. Natürlich hatten wir keine Ahnung ob Bruder oder Schwester, doch eigentlich war uns das nicht so wichtig. Vati hat uns in der Nacht aufgeweckt, mit den Worten: „Sie ist da! Wenn ihr wollt, könnt ihr sie nun begrüssen. Aber schön langsam und leise, wir wollen sie ja nicht erschrecken.“ Wir folgten Vati in unser Zimmer. Mutti hatte ein weisses Bündel neben sich liegen. Als ich näher kam sah ich ein kleines Köpfchen mit schwarzen Haaren daraus hervorgucken. Mutti war damit beschäftigt die Bänder zu lösen, die das weisse Bündel zusammenhielten. Ich hörte wie sie sagte: „Gell, du willst Deine Händchen nicht so eingepackt haben, gleich ist es so weit und du kannst sie frei bewegen.“ Ich stand da und schaute zu, wie erst die eine und kurz darauf die zweite Hand zum Vorschein kam. Was für kleine Fingerchen, so zerbrechlich, ganz sachte strich ich mit einem Finger meiner Hand über die Innenfläche der Hand meiner Schwester. Ihre kleine Hand schloss sich über meinen Finger und hielten ihn fest. Mein Bruder tat es mir gleich und so umschloss auch sein Finger die zweite Hand unserer  kleinen Schwester. Das war unser erster Kontakt. Mutti sagte: „Eure Schwester heisst Christa. Wir werden die nächsten Tage hier in eurem Zimmer bleiben. Vati wird für unser Schlafzimmer einen Ofen besorgen, dann könnt ihr wieder in euren Betten schlafen. Jetzt geht aber wieder schlafen, sonst kommt ihr am Morgen nicht aus dem Bett und ihr müsst ja in die Schule. Ausserdem sind Christa und ich sehr müde.“ Natürlich konnten mein Bruder und ich nicht sofort wieder einschlafen. Da war das grosse Geheimnis, die Ankunft unserer kleinen Schwester Christa. Ich weiss nicht wieviel Zuckerwürfel ich aufs Fensterbrett gelegt hatte, damit der Storch auch zu uns ein Baby bringen würde, doch jetzt war es Winter und kein Storch mehr zu sehen. Nun, in dieser Nacht konnte ich das Geheimnis nicht lösen und mit der Zeit habe ich vergessen danach zu fragen.

Ab dieser Nacht spielte ich nicht mehr mit meiner Puppe. Meine freie Zeit verbrachte ich fast nur mit Christa. Ich erlebte hautnah ihre Entwicklung mit. Ihr erstes Lachen, den ersten Zahn, die ersten Worte, die ersten Gehversuche. Die Angst wenn sie krank war und die Freude wenn es ihr wieder besser ging. Dieses Band, geschmiedet aus viel Liebe, hat uns ein Leben lang begleitet. Einige Erlebnisse aus dieser Zeit werde ich hier erzählen.

 

Ein Frohes Osterfest!


Wünsche ich all meinen Freunden und Lesern. Der Frühling kommt und mit ihm die Sonne. Der Nebel, die Kälte und die Dunkelheit weichen dem Licht und der Wärme. Es schwinden die Trauer und trübe Gedanken, machen Platz für die Freude am Leben.

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Ganz zaghaft öffnen sich die Knospen der Bäume, geben den Weg frei dem Drängen der Blätter, die dem Licht und der Wärme sich voller Zuversicht entgegenstrecken. In den Wiesen, deren sanftes Grün unterbrochen von Gänseblümchen, Primeln, Huflattich und anderen Frühlingsboten, die ersten Bienen sich ein Stelldichein geben. Der wilde Johannisbeerstrauch, fast über Nacht hat er sich im weissblauen Blütenzauber eingehüllt, Tulpen und Narzissen strecken ihre Köpfchen der Sonne entgegen. In dieser „Frühlingshaften Stimmung“ öffnen sich die Herzen auch Derer, die durch Leid und Tränen verschlossen wurden. Das Leben hat den Sieg errungen, das Leben ist lebenswert!

 


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Mein letzter Brief an Dich mein liebes Schwesterherz!

So haben wir uns immer genannt, wenn wir uns verabschiedeten bei Dir zuhause. Die letzten Wochen haben wir uns mehr im  Skype getroffen, wo wir manchmal über eine Stunde diskutierten, Kaffee zusammen tranken und so unseren Spass hatten, da ich leider durch meine gebrochenen Rippen nicht sicher mit dem Auto durch die Stadt zu Dir fahren konnte. Dann warst Du plötzlich nicht mehr zu erreichen. Der Silvester ging vorbei, erst einige Tage später im neuen Jahr konnten  wir mit dem Handy telefonieren. Du warst im Spital.  Noch am selben Nachmittag kam ich zu Dir. Du konntest nicht aufstehen, dazu reichte Deine Kraft nicht aus. Die vielen Untersuchungen hatten Dich geschwächt. Ich erfuhr von Dir, dass Du am Herzen operiert werden solltest. Doch wie, was, wann, müsste noch abgeklärt werden. Eine Deiner Herzklappen schloss nicht mehr richtig, dass hatten wir ja gewusst. Darum auch hast Du Dich vor Jahren für einen Herzschrittmacher entschieden. Leider wurde zur damaligen Zeit diese OP noch durch öffnen des Brustkorbes ausgeführt. Davor hattest Du Angst. Dies war nun nicht mehr so. In der heutigen Zeit, wurde diese OP mit einer Sonde gemacht und war nicht mehr  blutig. Du warst sehr müde und so verabschiedete ich mich nach einer knappen Stunde wieder.

Am nächsten Tag als ich im Spital anrief, hiess es: „Die Patientin wäre nicht zu sprechen.“ Also wartete ich den nächsten Tag ab, wo wir auch verbunden wurden. Deine Stimme war schwach und auf meine Frage ob ich kommen sollte, sagtest Du mir, dass am nächsten Tag entschieden wird, wann die OP stattfinden würde. Jetzt wollest Du nur schlafen.

Doch es kam ein Problem mehr dazu. Durch die Überanstrengung war ein Riss an der Herzklappe entstanden, der Dein Herz noch mehr schwächte. Das wurde in den vorangegangenen Untersuchungen entdeckt. Ich redete Dir Mut zu, diese OP so schnell wie möglich hinter Dich zu bringen, denn jeder Tag den Du zuwarten würdest, verbrauchte  Deine Kräfte und Kraft hattest Du ja fast keine mehr. Wir machten Pläne für danach. Ich versuchte Dir die Reha, die ja schon bestimmt war, als zwingend notwendig einzureden, denn so sehr Du die OP gefürchtet hattest, so widerlich war Dir der Gedanke an die anschliessende Reha.

Zwei Tage später solltest Du operiert werden. Meine Gedanken waren bei Dir den ganzen Tag. Am Abend versuchte ich nochmals zu telefonieren. Wir wurden verbunden und Du sagtest mir, die OP musste abgebrochen werden, da es unmöglich war, den Schlauch für die Sonde anzubringen. Du konntest noch nicht richtig sprechen und so liess ich Dich schlafen, mit dem Gedanken, am nächsten Tag ins Spital zu fahren. Am nächsten Tag hatte ich ein Telefon von Connie. Sie sagte mir, es wäre gut für Dich, wenn Du keinen Besuch erhältst, da jede Ansteckung einer Infektion vermieden werden sollte. Also habe ich mich daran gehalten und nur per Telefon versucht Dich zu erreichen. Wieder verging eine Woche. Da sagtest Du mir, man würde Dich nach Zürich ins Unispital bringen für die OP, da dort Spezialisten vor Ort wären. Termin war am 2. Februar. Ich fuhr zu Dir. Du warst angezogen und bist im Stuhl am Fenster gesessen, als ich ankam. Ich habe mich so gefreut, da es Dir anscheinend besser ging. Wir haben uns lange unterhalten. Ein Satz von Dir wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Du sagtest: „Ich bin todkrank.“ Das brachte mich zurück zur Realität. Ich erkannte Deine Angst, nahm Dich in meine Arme und versuchte Dir einen Teil meiner Kraft zu geben. Das war das letzte Mal, wo wir mit Herz und Seele verbunden waren. Ich verabschiedete mich, als die Krankenschwester kam um Dir Blut abzunehmen, damit Deine Werte kontrolliert werden konnten. Ich sagte Dir noch, dass Deine Freundin Nina auch noch zu Besuch kommen würde. Ich begegnete Nina vor dem Krankenzimmer und war beruhigt, da sie ja nun hier war.

Samstag konnte ich Dich nicht besuchen, da Du zur Dialyse musstest und Sonntag brachte man Dich nach Zürich. Wir haben noch am Sonntag Abend telefoniert und ich versicherte Dir, dass meine Liebe und meine Gedanken bei Dir sind. Montag wartete ich den ganzen Tag lang auf ein Telefon. Ich musste wissen wie es Dir geht. Ich schrieb ein SMS an Connie und Michaela, mit der Bitte mir Bescheid zu geben. Ich bekam die Rückantwort, dass Du nicht operiert wurdest, da zu viele Infektionsherde  gefunden wurden. Man hätte Dich wieder aufs Zimmer gebracht. „Oh Gott“, dachte ich, auch das noch. Ich habe sofort im Unispital angerufen und wurde mit Dir verbunden. Deine Stimme war kaum zu verstehen. Am Dienstag hast Du erfahren, dass der OP Termin auf den 15. Februar verschoben wurde. Am Mittwoch brachte man Dich zurück nach St. Gallen. Ich frage mich: „War das Dein Wunsch?“ Eine Stunde nach Deiner Ankunft hattest Du einen Kreislaufkollaps und kamst in die Intensivstation. Ich erfuhr es am Donnerstag morgen von Deinen Kindern. So schnell es mir möglich war, eilte ich zu Dir. Du lagst da, ohne eine Regung, kein Wimpernzucken, kein Finger bewegte sich an Deiner Hand, angeschlossen an den Apparaten, die dafür sorgten, Dich am Leben zu halten. Doch ich hatte noch immer Hoffnung Dich nicht zu verlieren. Ich fragte die Ärztin ob es erlaubt sei, Deine Lieblingsmusik abzuspielen und sie fand, das wäre eine schöne Idee. Also fuhr ich nachhause und holte ein Tablet und verschiedene CDs und fuhr zurück zur Intensiv. Dort erwartete mich auch schon die Ärztin. Sie wollte mit mir reden. Im Arztzimmer eröffnete sie mir den wahren Zustand von Dir. Sie sagte mir: „Ihre Schwester ist todkrank. All die Apparate sind reine lebenserhaltende Massnahmen. Sie können sie nicht mehr zurückholen. Ihr Herz ist zu schwach.“

Auf meine Frage, warum Christa nicht vorher operiert wurde, erklärte sie mir den Hergang Deiner Krankheit. Der Herzschrittmacher hat zwar das Herz unterstützt, doch nicht die Ursache beseitigt. So sei Dein Herz immer schwächer geworden bis es nur mehr die minimalste Leistung brachte. Werden die Maschinen abgeschaltet, hört das Herz zu schlagen auf. Ich musste es akzeptieren. Es war Dein Wille, nicht an Maschinen zu hängen, wenn es keinen Ausweg gab. Meine ganze Hoffnung, Dich zurückzuholen war zusammengebrochen. Ich wollte nur noch zu Dir.

Deine Kinder und ich entschieden uns für Gospel. Wir schlossen das Abspielgerät an, ich habe einen Ohrstöpsel an Dein Ohr gehalten, den zweiten steckte ich mir ins Ohr. So hörten wir über eine Stunde lang Deine Lieblingsmusik. Ich streichelte Deine Hände, von denen keine Regung kam, doch es schien mir, als ob Du Dich entspanntest. Nach gut einer Stunde versorgte ich das Gerät. Ich sang Dir ein Gute Nachtlied: „die Blümelein sie schlafen …“, bis meine Stimme mir versagte. Ich ging auf die andere Seite Deines Bettes, um Deinen Kindern Platz zu machen. Dort hatte ich meine Hand auf Deiner, fasste mit leichten Druck  Deine Finger und meine andere Hand streichelte Deine Stirn und Wangen. Ich küsste Deine Augen, meine Tränen spürte ich nicht mehr. Die Ärztin kam und begann die Geräte langsam zurückzuschalten. Als die Geräte verstummten, hobst Du Deine Hand unter meiner langsam hoch. Deine Augen öffneten sich leicht, Deine Lippen bewegten sich, so als wolltest Du uns etwas sagen. Dann schlossen sich Deine Augen wieder, Dein Atem wurde flacher und war dann ganz weg. Da begriffen wir, Du bist von uns gegangen, oder besser, Du hast Deinen Körper verlassen. Doch wir wussten, Du hast uns wahrgenommen. Ich bin mir sicher, Du hast die Musik gehört und unsere Liebe gespürt.  Du warst nicht allein, als das Fenster ins Jenseits geöffnet wurde und Du Deine Reise ins Licht antreten konntest. Zurückgelassen hast Du Deinen leeren kranken Körper und uns, die wir nun ohne Dich, in der Erinnerung an Dich, weiterleben und uns irgendwann und irgendwo wieder begegnen.

In Liebe, Dein Schwesterherz

 

 


Meine Schwester Christa mit 4 Jahren

Meine Schwester Christa mit 4 Jahren

Gedanken

Weißt du noch als wir Kinder waren,                                                                                                           Du und ich, vor vielen Jahren.

Kein Weg war uns zu weit,
Kein Baum zu hoch.

Wir träumten von der Welt da draußen,
Nicht wissend was sie uns wohl bringt.

Die Zeit verging, wir wurden älter.
Erlebten vieles,                                                                                                                                                An Freud und Leid.

Die Freude haben wir genossen,
Das Leid in unser Herz verschlossen.

Die Träume aber nicht
-und das ist gut.

Denn ohne Träume,                                                                                                                                        Gebe es auch die Hoffnung nicht.

Renate Klerx / Autor

Dieses Gedicht habe ich in Gedanken für meine Schwester Christa schon vor Jahren geschrieben. Sie war die Erste, der ich
es vorlas und es hat ihr gefallen. Ich denke, sie ist bei uns und es freut sie, wenn ich es nun mit Euch teile.  Zu lesen auch in:

“Poesie mit Herz und Seele”


ohne Worte

Heute möchte ich meine Gedanken mit meinen Wünschen vereinen. Ich danke all denen, die es Wert fanden, an meinen Gedanken teil zu nehmen. Ja, durch Eure Kommentare wurden meine Beiträge erst lebendig. Ich konnte erkennen, dass doch einige meine Ansicht teilen. Schreckliche Heimsuchungen erschüttern uns bis ins Mark, sei es durch Bilder der zerstörten Städte, der vielen Opfer dieses Wahnsinns, durch Katastrophen die wir nicht abwenden konnten, oder Verkehrsunfälle die nicht vorhersehbar, einfach passierten. Tagtäglich neue Schreckensbotschaften, die uns durch die Medien berichtet werden. Wir nehmen sie auf, doch die Zeit diese auch wirklich zu verarbeiten bleibt uns durch die grosse Flut dieser Meldungen nicht.

Wir sehen dahinter nicht mehr das einzelne Schicksal, sondern die Masse. Erst wenn ein Schicksalsschlag einen uns nahestehenden Menschen trifft, spüren wir das Leid, den Schmerz und die Trauer. Manche erkennen dann auch, wir sind nicht allein. Millionen Menschen fühlen im gleichen Moment, den unbesiegbaren Schmerz und das Leid, geliebte Menschen verloren zu haben. Doch einen Unterschied gibt es. Unheilbar kranke Menschen finden ihren Frieden, indem wir sie ziehen lassen. Unfallopfer, so schrecklich es ist, verlassen uns mitten aus dem Leben. Doch die, die durch Bomben und anderen Waffen aufs brutalste ermordet werden, verlassen uns mit Angst und Schrecken und hinterlassen ihre Angehörigen in diesem Zustand.

Wie lange noch wird es dauern, bis der Mensch erkennt, dass allein der Frieden, unsere Erde erst lebenswert macht. Solange Waffen , Tötungsmaschinen mit ungeheurer Wirksamkeit neu produziert werden, solange wird dieser Wunsch nach Frieden, den die Mehrheit aller Menschen sich wünschen, nicht Wirklichkeit werden.

 

Abschied von Sherbo!


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Ich erzähle nun den letzten Tag mit Sherbo. Mehr als fast 15 Jahre war Sherbo an meiner Seite. Viele Abenteuer durften wir zusammen erleben. Ich habe die ersten Monate unserer Gemeinsamkeit erzählt. Vielleicht bringe ich die eine oder andere Geschichte hier auf meiner Homepage. Doch da ich die Erlebnisse mit ihm in einem Buch herausbringen werde, kann ich nicht “Alles“ freigeben. Ich denke, wenn ich über unsere Zeit in Rumänien schreibe, werde ich wieder eine Episode hier einstellen.

Es war an einem Freitagmittag. Wie immer machten wir uns auf den Weg. Sherbo, so war sein Name und der Name passte ausgezeichnet zu ihm, denn der Name war so außergewöhnlich wie er, suchte seinen Weg. Es war eine stille Vereinbarung zwischen ihm und mir, dass er mir zeigte, welchen Weg wir nahmen.

An diesem Tag wollte er geradewegs zum See. „Es wird kein langer Spaziergang werden“, dachte ich bei mir und ließ ihm seinen Willen. Am See nahm ich ihm die Leine ab. Sicher wusste er das und hatte deshalb diesen Weg gewählt. Er schnupperte an jedem Baum und jedem Strauch. Intensiv, wie es schien, hinterließ er seine Markierungen.

Später, als ich an diesen Tag zurückdachte, erkannte ich, dass Sherbo sich verabschiedet hatte. Auf dem Nachhauseweg passierte es. Sherbo taumelte, jaulte laut auf. Es klang wie ein Hilferuf, dann sackte er zusammen. Antony fing ihn in seinen Armen auf. „Mami, der Sherbo stirbt“, rief er entsetzt. Er hob ihn hoch: „Wir müssen zum Arzt, schnell, er atmet fast nicht mehr.“

So schnell wir konnten rannten wir zum Haus, legten Sherbo auf den Rücksitz in mein Auto. Antony setzte sich zu ihm, hielt seinen Kopf, streichelte ihn und redete auf ihn ein, während ihm die Tränen über die Wangen liefen. Es war ein Bild, so voller Liebe und Trauer, gemischt mit großer Verzweiflung und Hilflosigkeit.

Ich betete im Stillen, das der Arzt zu Hause war – und vor allem, dass er Sherbo helfen konnte.

Wir hatten Glück. Der Arzt war da, doch sein Gesichtsausdruck, als er Sherbo sah, gab mir keine Hoffnung. Antony legte Sherbo auf den Untersuchungstisch. Gebannt sahen wir zu, wie der Arzt Sherbo untersuchte und schon nach kurzer Zeit aufblickte. „Das war ein starker Herzinfarkt. Auch wenn ich ihm für den Moment helfen würde, er würde nicht mehr sein wie vorher. Er hat ein schönes Leben gehabt und ist sehr alt geworden. Vierzehneinhalb Jahre sind viel für einen Hund. Lasst ihn sterben, es ist das Beste für ihn und für euch. So muss er nicht leiden. Ich lasse euch jetzt eine viertel Stunde allein mit ihm, so könnt ihr Abschied nehmen. Vorher gebe ich ihm noch eine Spritze, damit er keine Schmerzen hat und auch keine Angst.“

Der Arzt gab Sherbo die Spritze und stellte uns zwei Stühle hin, damit wir uns setzen konnten. Danach senkte er etwas den Tisch und ging aus dem Raum.

Da lag er nun, unser Sherbo. Seine Augen, diese lieben, treuen, schönen, großen Augen wanderten suchend im Raum umher. Meine Hände fanden automatisch die Stelle hinter seinen Ohren. Er liebte es, wenn ich ihn dort kraulte. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass auch Antony ihn streichelte. Ich bedankte mich bei Sherbo für die schöne Zeit, die wir zusammen verbracht hatten.

Ganz ruhig lag er da und lauschte meiner Stimme. „Mami, muss es wirklich sein, muss Sherbo nun sterben, können wir wirklich nichts mehr für ihn tun?“ Antony schluckte und wischte sich die Tränen von seinen Wangen. „Ich würde alles für Sherbo tun, wenn es ihm wirklich helfen könnte. Doch glaube mir, der Arzt hat Recht. Ich denke, wir sollten Sherbo wirklich seine Ruhe gönnen, er hat sie verdient.“

Ich konnte nicht weitersprechen, wir weinten beide. Mit der einen Hand streichelten wir Sherbo, während unsere andere Hand den Weg zueinanderfand. So verbrachten Antony und ich die letzten Minuten mit unserem Hund, der uns in den langen Jahren ein Freund gewesen war.

Der Arzt kam nach einiger Zeit wieder und erklärte uns sein weiteres Vorgehen. Er rasierte Sherbo am vorderen Lauf die Haare weg und setzte ei-ne Kanüle. Als er die Spritze aufzog, sagte er: „Nun geht es sehr schnell. Er wird keine Schmerzen haben. Sein Herz hört einfach auf zu schlagen.“

Noch einmal streichelte ich Sherbo über seinen Kopf. Die Tränen, die mir aus den Augen flossen, verschleierten meinen Blick.

„Jetzt ist es vorbei, er hat es überstanden“, hörte ich den Arzt sagen. In diesen Moment drehte Sherbo noch einmal seinen Kopf, sah mich an und die Spitze seiner Zunge fuhr ganz leicht über meinen Handrücken, so als wollte er sagen, bis bald. Diese letzte Liebkosung werde ich mein Leben lang spüren. Es war seine Art, mir Lebewohl zu sagen, oder aber auch mir zu zeigen, ich werde immer bei dir sein.

So ist es auch. Sherbo wurde nach Seon überführt. Nach der Kremierung kam er wieder zu mir. Er ist in seiner und meiner Umgebung und irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, werden wir den letzten Weg gemeinsam gehen. Bis dahin wird er auch weiterhin auf mich aufpassen.

Für mich steht fest. Wenn wir Menschen eine Seele besitzen, hat Gott auch den Tieren eine Seele gegeben, und das ist gut so.

 

 

 

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